Dienstag, 2. Mai 2017
Der Beginn
An diesem, jenen Abend saßen wir zusammen. Nach dem Job. Der Stress und Zufall wollten es so.
Während ich auf mein Bier gewartet habe, hast du angefangen, dich vorzutasten.
Vom Urlaub hast du erzählt. Von deinen schönen Momenten im letzten Jahr.
Irgendwann hast du den Blickkontakt nicht mehr abgebrochen, sondern mir in die Augen gesehen und mir gesagt, dass du vergeben bist. Und dann gewartet. Auf meine Reaktion. Ob ich darauf eingehe oder ob es mir gleichgültig ist. Von meinem privaten Umfeld wusstest du bis dahin noch längst nichts.
Als mein Glas halbleer war, war mir klar, dass du mich willst.
Die anfänglichen Flirt-Versuche deinerseits waren mehr als deutlich.

Die Bestätigung hierfür kam am nächsten Tag beim Essen.
Mir war klar, dass ich dich und auch mich testen wollte, wie weit man gehen kann, wenn ich meinen Joker spiele.
Die Information des privaten Umfeldes, die dich hat innehalten lassen.
Deine Verwunderung hierüber konnte man in deinem Gesicht ablesen. Entsetzen trifft es auch heute noch ganz gut.
So sicher warst du dir bis dahin. Weil du oft genug das bekommst, was du willst.
Gut aussehend und charmant wie du bist, hast du eigentlich immer leichtes Spiel.
Aber damit, dass ich dich so leicht in deine Schranken weise mit nur einem Satz, damit hattest du nicht gerechnet.
Ich wage zu behaupten, dass dir da zum ersten Mal klar wurde, dass jemand auch in deiner Liga spielen kann.
Dieser jemand – ich – wollte sehen, ob du das ablieferst, was du versprichst.
Nachträglich kam das Gespräch irgendwann nochmal auf diese erste gemeinsame Nacht und auch diesen Blick werde ich nicht vergessen als dir klar wurde, wie berechnend ich da war.
Dein Ego ist groß und wird selten getroffen oder in Frage gestellt. Umso mehr scheint es dir mittlerweile aber zu gefallen, wenn man es tut. Wenn ich es tue. Wenn ich dich herausfordere und Paroli biete.

Der erste Sex war gut. Wirklich gut.
Das ist etwas, womit ich nie im Leben gerechnet hätte und ja, genau das erschreckt mich auch jetzt noch. Immer und immer wieder.
Weil es so verdammt gut miteinander funktioniert, ineinandergreift ohne schambesetzt zu sein.
Weil wir blank vor einander stehen und Wünsche, Fetische und Vorstellungen direkt und ehrlich aussprechen.
Man hätte es dabei belassen können, bei dieser einen Nacht. Aber das haben wir nicht.
Es folgten viele weitere in diesem Zeitraum.
Die emotionale Komponente wie es mir gegenüber meinem Herzmenschen geht, habe und werde ich nie mit dir besprechen.
Auf der Heimfahrt von diesem „Ausrutscher“ habe ich viel nachgedacht.
Über das warum und weshalb. Was fehlte und fehlt mir in meiner Partnerschaft, dass das passieren konnte?
Die Antwort ist so einfach, wie auch beschämend. Es ist nur der Sex.
Der Trieb des Menschen. So simpel.

Gehadert habe ich, wie es weiter gehen soll. Vergessen? Verdrängen? Beichten?
An diesem Zustand hat sich nichts geändert. Auch jetzt nicht, wo unsere Affäre schon Monate läuft.
Dass wir an diesem Punkt stehen, dass wir das mit nach Hause mitnehmen, war für mich unvorstellbar.
Da habe ich dich ausnahmsweise mal falsch eingeschätzt.

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