Mittwoch, 3. Mai 2017
Going on
Wärst du nicht sanft schleichend auf mich zugekommen, nach dieser Reise, hätte ich dich behandelt wie zuvor.
Im Beruf haben wir wenige Überschneidungsmöglichkeiten. Eigentlich kaum welche.
Man sieht sich beim Vorbeilaufen vielleicht mal alle paar Wochen, wenn überhaupt.
Umso überraschter warst du, als es relativ spontan nach dem ersten „Ausrutscher“ geschah.
Draußen, beim Rauchen bist du gesessen, hast nicht mit mir gerechnet.
Ich dachte mir, dass dir das vielleicht peinlich wäre, du zurückhaltend und abwehrend reagierst oder eben wie früher.
Als wären wir nur Kollegen, die sich kurz Hallo sagen.
Aber dem war nicht so.
Du bist vor Freude aufgesprungen. Das ist keine Übertreibung, sondern dem war genauso.
Geküsst und angefasst hättest du mich am liebsten, den Hunger in deinen Augen habe ich gesehen und war froh, dass wir nicht allein waren.

Diese so echte Reaktion hat mich tatsächlich verunsichert.
Irgendwie habe ich es ab da an verpasst, das zwischen uns zu beenden.
Darüber nachdenken tue ich immer wieder. Aber das gehört in einen anderen Beitrag.

Zwei Tage später, nach deinem Freudensprung, kam eine Nachricht.
Ob ich Lust auf einen Kaffee hätte, du wärst in der Nähe.
Hatte ich, also haben wir uns zwei Becher geholt.
Vieles hat mich in dieser einen Stunde Zeit erstaunt, aber am meisten, dass du wie selbstverständlich meine Hand in deine genommen hast und wir zum Café gelaufen sind.
Ewig habe ich auf die ineinander verschränkten Finger gestarrt. Wie eine Maus eine Schlange anstarrt.
Entreißen wollte ich sie dir und habe es doch nicht getan.

Wir setzten uns in die Sonne und zum ersten Mal sprachen wir darüber, was die Woche davor eigentlich passiert ist.
Ich schätze es sehr, dass du ziemlich direkt bist und auch bei diesem Treffen warst du das.
„Wie geht es jetzt weiter? Führen wir das hier fort? Ich wusste nicht so recht, ob dir das lieb wäre. Ich kenne ja deine prekäre Situation“, meintest du.
„Als wäre deine so viel besser….. Ich weiß nicht. Denn eigentlich…..eigentlich bin ich SO nicht. Das Ganze hier ist Neuland für mich und … keine Ahnung. Hast du dir schon Gedanken darüber gemacht?“, fragte ich zurück.
„Ja. Ich würde es sehr sehr gerne weiter laufen lassen. Der Sex mit dir war der Wahnsinn! Winke jetzt nicht ab. Das ist nun mal meine Meinung“, so deine Antwort.

Lange habe ich dann geschwiegen. Überlegt, ob ich diese nächste Grenze übertrete oder nicht.
Schlussendlich habe ich es getan.
„Können wir Spielregeln festlegen? Ich will weder Krankheiten, noch Kinder, noch romantische Gefühlsanwandlungen, dafür Ehrlichkeit. Frei raus, was man will und was nicht.“
Dein Kopfschütteln sehe ich heute noch vor mir: „Du bist so ….anders. Unglaublich!“

So nahm alles seinen Anfang und hat immer noch nicht sein Ende gefunden.
Das hier soll kein Ego pushen werden, kein Fishing for compliments oder ähnliches.
Mein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Herzmenschen ist extrem.
Keiner hat das verdient, was ich tue.
Niemand. Jemals.
Längst weiß ich, dass diese Affäre irgendwann sein Ende haben wird. Sein Ende finden MUSS.
Nur bis jetzt….. kann ich es einfach nicht.

Ich weiß, wie egoistisch es ist, dass ich aus beiden Welten mir das Beste nehme.
Eine Deadline hatte ich mir schon mal gesetzt und sie dann doch wieder verstreichen lassen.
Weil ich zu schwach bin und das Vergnügen mit dir zu groß.

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Dienstag, 2. Mai 2017
Der Beginn
An diesem, jenen Abend saßen wir zusammen. Nach dem Job. Der Stress und Zufall wollten es so.
Während ich auf mein Bier gewartet habe, hast du angefangen, dich vorzutasten.
Vom Urlaub hast du erzählt. Von deinen schönen Momenten im letzten Jahr.
Irgendwann hast du den Blickkontakt nicht mehr abgebrochen, sondern mir in die Augen gesehen und mir gesagt, dass du vergeben bist. Und dann gewartet. Auf meine Reaktion. Ob ich darauf eingehe oder ob es mir gleichgültig ist. Von meinem privaten Umfeld wusstest du bis dahin noch längst nichts.
Als mein Glas halbleer war, war mir klar, dass du mich willst.
Die anfänglichen Flirt-Versuche deinerseits waren mehr als deutlich.

Die Bestätigung hierfür kam am nächsten Tag beim Essen.
Mir war klar, dass ich dich und auch mich testen wollte, wie weit man gehen kann, wenn ich meinen Joker spiele.
Die Information des privaten Umfeldes, die dich hat innehalten lassen.
Deine Verwunderung hierüber konnte man in deinem Gesicht ablesen. Entsetzen trifft es auch heute noch ganz gut.
So sicher warst du dir bis dahin. Weil du oft genug das bekommst, was du willst.
Gut aussehend und charmant wie du bist, hast du eigentlich immer leichtes Spiel.
Aber damit, dass ich dich so leicht in deine Schranken weise mit nur einem Satz, damit hattest du nicht gerechnet.
Ich wage zu behaupten, dass dir da zum ersten Mal klar wurde, dass jemand auch in deiner Liga spielen kann.
Dieser jemand – ich – wollte sehen, ob du das ablieferst, was du versprichst.
Nachträglich kam das Gespräch irgendwann nochmal auf diese erste gemeinsame Nacht und auch diesen Blick werde ich nicht vergessen als dir klar wurde, wie berechnend ich da war.
Dein Ego ist groß und wird selten getroffen oder in Frage gestellt. Umso mehr scheint es dir mittlerweile aber zu gefallen, wenn man es tut. Wenn ich es tue. Wenn ich dich herausfordere und Paroli biete.

Der erste Sex war gut. Wirklich gut.
Das ist etwas, womit ich nie im Leben gerechnet hätte und ja, genau das erschreckt mich auch jetzt noch. Immer und immer wieder.
Weil es so verdammt gut miteinander funktioniert, ineinandergreift ohne schambesetzt zu sein.
Weil wir blank vor einander stehen und Wünsche, Fetische und Vorstellungen direkt und ehrlich aussprechen.
Man hätte es dabei belassen können, bei dieser einen Nacht. Aber das haben wir nicht.
Es folgten viele weitere in diesem Zeitraum.
Die emotionale Komponente wie es mir gegenüber meinem Herzmenschen geht, habe und werde ich nie mit dir besprechen.
Auf der Heimfahrt von diesem „Ausrutscher“ habe ich viel nachgedacht.
Über das warum und weshalb. Was fehlte und fehlt mir in meiner Partnerschaft, dass das passieren konnte?
Die Antwort ist so einfach, wie auch beschämend. Es ist nur der Sex.
Der Trieb des Menschen. So simpel.

Gehadert habe ich, wie es weiter gehen soll. Vergessen? Verdrängen? Beichten?
An diesem Zustand hat sich nichts geändert. Auch jetzt nicht, wo unsere Affäre schon Monate läuft.
Dass wir an diesem Punkt stehen, dass wir das mit nach Hause mitnehmen, war für mich unvorstellbar.
Da habe ich dich ausnahmsweise mal falsch eingeschätzt.

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Freitag, 28. April 2017
Die Rahmenbedingungen
In stillen, nur mir allein gehörenden Nächten frage ich mich oft, wie ausgerechnet MIR das passieren konnte.

Wie konnte ich es zulassen, dass ich auf dem Spielfeld gelandet bin, wo ich mich seit Monaten befinde?

Du und ich haben uns schon öfters gesehen. Wahrgenommen haben wir uns nicht. Ich zumindest dich nicht. Warum auch? Bist du doch all das, was in meinem Leben eigentlich nicht vorkommt.
Monate später bist du fast eine feste Konstante geworden.
Eine, die gesellschaftlich nie anerkannt werden würde.
Eine, die all das zerstören würde, was wir haben.
Mit einem Wort. Mit einem Ausdruck.
Denn du, du bist meine Affäre.
Oder ich deine?

Auf der Suche nach Absolution bin ich nicht. Eine solche kann man mir gar nicht erteilen. Das ist nicht der Beweggrund, warum ich all das aufschreibe.
Nur irgendwo muss ich damit hin. Muss es loswerden. Das ist mit ein Grund, warum ich bewusst hier auf Geschlechterbezeichnungen verzichten werde.

Und so…. so fange ich an, die Rahmenbedingungen zu erklären.
Wir beide sind in Beziehungen / Ehen. Schon lange. Länger, also so manche Partnerschaften in der heutigen Zeit überhaupt jemals schaffen.
Von dir weiß ich, dass es nicht dein erster „Ausrutscher“ ist. Beim letzten Mal flog dir wohl alles ziemlich um die Ohren, deine Partnerschaft aber konntest du retten. Irgendwie.
Etwas, was mich nicht sonderlich erstaunt hat.
Denn für mich warst du anfangs relativ leicht und schnell einzuschätzen.
Ich wusste ab einem bestimmten Satz, dass ich das Spielfeld betreten hatte und auch, dass ich das Spiel in der Hand habe.
Und, dass ich es jeder Zeit hätte beenden können, bevor wir im Bett gelandet wären.
Diese Sicherheit, die du mir unbewusst damals gegeben hast, hat diese Affäre erst möglich gemacht. Klar war dir das nie.

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